Balkongemüse

| Autor: Andrea | Kategorie: Frühling  Sommer 

Seit Urban Gardening voll im Trend ist, werden neben Zierpflanzen auch gerne Nutzpflanzen wie Obst und Gemüse auf Balkonen und Terrassen kultiviert. Hier erfahren Sie, wie Sie auch kleine Flächen sinnvoll für den Gemüseanbau nutzen können und was Sie bei der Sortenwahl und Pflege beachten sollten.

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Salat aus dem Balkonkasten
Der Anbau von Salat gelingt sogar im Balkonkasten oder in kleineren Gefäßen. Bei der Sortenwahl unterscheidet man zwischen Schnittsalat, Pflücksalat oder Kopfsalat. Pflücksalat ist ideal für den Hobbyanbau, da die Ernte in mehreren Schritten erfolgen kann und dabei immer nur die äußersten Blätter des lockeren Salatkopfes entfernt werden. Aus dem Inneren wachsen dann wieder neue Blätter nach. Auch beim Schnittsalat kann eine zweite Ernte erfolgen, wenn die Blätter bei der ersten Ernte nicht so tief abgeschnitten wurden und die Pflanze aus dem Herz nochmal austreiben kann. Die Kulturzeit bei ausgesätem Kopfsalat dauert mit 10 bis 12 Wochen am längsten, kann jedoch durch den Kauf von Setzlingen etwas verkürzt werden.

Schossen“ bei Salat bezeichnet die vorzeitige, unerwünschte Blütenbildung. Diese wird durch lange Tage (über 14 Stunden Tageslicht) oder durch hohe Sommertemperaturen oder Trockenheit ausgelöst.

Ebenfalls auf kleinstem Raum gedeiht asiatisches Blattgemüse aus der Kohlfamilie (Brassicaceae) und bereichert mit seinen darin enthaltenen würzigen Senfölen den Speiseplan. Im Handel sind Sorten wie 'Mizuna', 'Komatsuna' oder 'Red Giant' erhältlich. Neben losem Saatgut werden im Fachhandel pilliertes Saatgut und Saatbänder /-scheiben angeboten. Bei ersterem wird der Samen mit Ton zu einer kleinen Kugel geformt, um ihn so größer und griffiger für die Einzelaussaat zu machen. Bei Saatbändern liegt das Saatgut mit dem richtigen Endabstand zwischen zwei Lagen Papier. Die erste Aussaat kann bereits Anfang April erfolgen. Ab Mai dürfen nur schossfeste Sorten angebaut werden, die bei Wärme nicht so schnell zur Blüte kommen. Zudem gibt es robuste Sorten, die resistent gegen Echten Mehltau und Blattläuse sind.

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Das Sortenspektrum bei Salat hat für jeden etwas zu bieten: ob grün oder rot, glatt oder gekräuselt, würzig oder mild. Da man im Abstand von zwei Wochen immer wieder einen Satz aussäen kann, um laufend Salat ernten zu können, ergeben sich zahlreiche Variationen. 

Tomatengenuss direkt vom Strauch
Wer schon einmal sonnengereifte, direkt vom Strauch gepflückte Tomaten genießen durfte, der weiß, dass das Aroma das von Tomaten aus dem Supermarkt bei weitem übertrifft. Zur Erntezeit haben wir schon einmal über die Vielfalt bei Tomaten berichtet. Jetzt im Frühjahr können Tomaten ab Ende Februar aus Saatgut gezogen werden oder ab April als Jungpflanze beim Gemüsegärtner erworben werden. Für einen kleinen Balkon sind kompakt wachsende Busch- oder Ampeltomaten ideal. Für einen größeren Balkon oder die Terrasse kommen auch Stabtomaten in Frage. Sie alle dürfen erst ab Mitte Mai, wenn keine Fröste mehr zu erwarten sind, ins Freie. Der Standort sollte für alle sonnig, windstill und möglichst regengeschützt sein, um Pilzerkrankungen, wie die Kraut- und Braunfäule, vorzubeugen.

Kleine Tomatenpflanzen geben sich mit einem Topf von 20 cm Durchmesser zufrieden. Stabtomaten sollten in größeren Kübeln mit einem Durchmesser von mindestens 35 cm kultiviert werden. Wichtig für die Entwicklung der Pflanze und der Früchte sind neben der Verwendung großer Gefäße, die Verwendung einer qualitativ hochwertigen Gemüse- oder Kübelpflanzenerde und die regelmäßige Wasserversorgung sowie die Anwendung eines speziellen Tomaten- oder Gemüsedüngers nach Anleitung.

Tomatenpflanzen gedeihen in großen Kästen auf dem Balkon, vorausgesetzt sie werden mit ausreichend Wasser und Nährstoffen versorgt. Bildnachweis: shutterstock.com/ChiccoDodiFC

Paprika, Chili & Co.
Botanisch gehören sie alle zur Gattung Capsicum. Eine Unterteilung in Gemüse- und Gewürzpaprika ist üblich. Gemüsepaprika wird entweder zum Frischverzehr und Kochen genutzt oder zu Paprikapulver (Edelsüß-Paprika, Rosenpaprika) verarbeitet. Zur Gruppe der Gewürzpaprika zählen Chili, Cayennepfeffer und Peperoni. Sowohl die Früchte der Gemüsepaprika als auch die der Gewürzpaprika verändern während der Reife ihre Farbe. Je nach Sorte von grün, gelb oder violett nach rot, oder von grün nach gelb. Paprikapflanzen sind noch wärmebedürftiger als Tomaten und gedeihen deshalb besser in einem Gewächshaus. Für eine Kübelkultur im Freien stehen spezielle, robuste Sorten zur Verfügung wie z.B. die kleinfrüchtigen Paprikasorten 'Pinokkio' F1 oder 'Paprika Bunte Zwerge' oder 'Topgirl' mit kugeligen, tomatengroßen, roten Früchte. Zudem eignen sich Sorten wie ‘Frühzauber‘ mit länglichen bis herzförmigen Früchten, die sich von grün nach rot umfärben und die Sorte 'Pusztagold', die hellgelbe Früchte ausbildet und sich samenecht vermehren lässt. Bei der Kultur von Paprikapflanzen ist es wichtig, die erste Knospe, die sogenannte „Königsknospe“ auszubrechen. Daraufhin findet eine bessere Verzweigung und reichere Blütenbildung (=mehr Früchte) statt.

Bei den Gewürzpaprika ist die Sortenauswahl wesentlich größer, man hat die Qual der Wahl! Das Farbspektrum der Früchte reicht von grün über gelb, orange und rot bis hin zu einem dunklen Violett. Scharf sind alle Früchte aus dieser Gruppe, die Intensität reicht von mild-scharf ('Anaheim') über feurig ('Cheyenne') bis zu höllisch scharf ('Habanero'). Gewürzpaprika bevorzugen ebenfalls einen sehr sonnigen und geschützten Standort auf Balkon und Terrasse. Alle Paprikapflanzen freuen sich über regelmäßige Wasser- und Düngergaben.

Wer nur wenig Platz auf dem sonnigen Balkon hat, kann es immerhin mit der eigenen Chilianzucht versuchen.

Gurken und Zucchini
Bei Gurkensaatgut unterscheidet man zwischen Einlegegurken und Salatgurken für die Gewächshaus- bzw. für die Freilandkultur. Für den Anbau auf Balkon und Terrasse bieten sich kleine Salatgurken, sogenannte Snackgurken an, die bereits ab einer Fruchtgröße von 10-15 cm erntereif sind. Bei der Sortenwahl sollte zudem auf bitterfreie und resistente Sorten (Echter Mehltau, Gurkenmosaikvirus etc.) geachtet werden. Für die Kübelkultur eigenen sich Sorten wie 'Picolino' F1 , 'Midios' F1, 'Salamanda' F1, 'Persika' (samenecht), 'Iznik' F1, 'Silor' F1, 'Lothar' F1. Der richtige Zeitpunkt für die Aussaat ist etwa Mitte April. Alternativ können Jungpflanzen im Mai in Gärtnereien und Gartencentern erworben werden. Die Jungpflanzen dürfen erst nach den letzten Frösten ab etwa Mitte / Ende Mai ins Freie gepflanzt werden. Gurken wünschen einen warmen, windgeschützten und sonnigen Platz. Zudem benötigen sie viel Wasser. Für das Pflanzgefäß, das Substrat und die Düngung gilt das gleiche wie bei Tomaten (s. oben). Zudem benötigen Gurken ein Rankgerüst, an dem sie hinaufklettern können. Ebenso platzsparend kann eine Kletterzucchini 'Black Forest' F1 (grünfrüchtig) oder 'Shooting Star' F1 (gelbfrüchtig) an einem stabilen Rankgerüst hochgebunden werden. Für die Kübelkultur eignen sich zudem die kompakt wachsende Zucchini 'Patio Star' oder die kugelige, kleinfrüchtige 'Rondini'.

„Himmelsstürmer“ als Sichtschutz und zur Ernte
Die Mexikanische Mini-Gurke (Melothria scabra) sieht zwar wie eine 3 cm lange Mini-Wassermelone aus, schmeckt aber eher wie eine Gurke. Da die Kletterpflanze an einem Rankgerüst bis zu 3 m groß wird, kann sie auf Balkon und Terrasse als Sichtschutz dienen. Ein weiterer, bis zu 2 m hoher Himmelsstürmer, der denselben Zweck erfüllt, ist die Feuerbohne (Phaseolus coccineus). Auch als Prunkbohne bezeichnet, bringt sie schöne rote Blüten hervor. Frühzeitig geerntet, können die jungen Bohnen gekocht verzehrt werden, später werden die Bohnenhülsen zu faserig. Mittlerweile gibt es allerdings auch faserfreie Sorten wie z.B. 'Butler'. Einen geschmacklich besseren Sichtschutz ergeben die Stangenbohnen (Phaseolus vulgaris). Sie blühen zwar unauffälliger, bereichern den Erntekorb jedoch je nach Sorte mit grünen, gelben oder violetten Bohnenhülsen.

Bohnenpflanzen erobern das Balkongeländer und werden so zum Sichtschutz, der zudem beerntet werden kann. Bildnachweis: shutterstock.com/Trong Nguyen

Sehr schön an einem Rankgitter macht sich auch die Helmbohne (Dolichos lablab) mit ihren violetten, duftenden Blüten und essbaren Schoten. Wer einen eher kühlen und halbschattigen Balkon sein Eigen nennt, der kann es mit dem Erbsenanbau versuchen. Bei der Sortenwahl unterscheidet man Mark- und Zuckererbsen. Zuckererbsen (Pisum sativum) können mitsamt der Hülse gegessen werden. Markerbsen (Pisum sativum) werden aus der Hülle herausgepult.

Doch bevor Sie mit der Gemüsekultur auf Ihrem Balkon beginnen, sollten Sie sich nach der maximalen Tragkraft des Balkons erkundigen, die in der Regel bei ca. 250 kg/m2 liegt.

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