Helleborus – Blütenschönheiten im Winter

| Autor: Andrea | Kategorie: Frühling  Winter 

Draußen in der Natur befindet sich ein Großteil der Pflanzenwelt im Winterschlaf. Doch eine Staude zeigt sich gerade dann von ihrer bezaubernsten Seite – die weißblühende Christrose! Neben ihr gibt es noch weitere, zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) gehörende Arten und Hybriden, die durch Blüten- und Laubschmuck in der kalten Jahreszeit begeistern.

Bildnachweis: Adobe Stock/catthesun

Die edle Christrose
Helleborus niger, auch Schwarze Nieswurz genannt, stammt aus den östlichen Kalkalpen und war bereits den Germanen heilig. Der stark giftigen Pflanze haftete etwas Magisches an, da sich ihre weißen Blüten je nach Witterung von Ende November bis in den März hinein zeigen und so dem Winter trotzen. Wobei es sich bei den weißen „Blütenblättern“ eigentlich um Kelchblätter (Sepalen) handelt. Die echten Blütenblätter (Petalen) haben sich im Laufe der Evolution in kleine Nektarien umgewandelt, die Nektar tragen, um bestäubende Insekten anzulocken. Auch nach der Befruchtung bleiben die Kelchblätter und damit der Blütenstand lange attraktiv.

Die Blüte der Christrose mit gelben Staubgefäßen, grünen Nektarien und weißen Kelchblättern.

Durch Züchtung wurden große weißblühende Sorten mit dunkelgrünem Laub ausgelesen, die in Gärtnereien unter geschützten Bedingungen vorkultiviert werden, um ab Mitte November blühend in den Verkauf zu gelangen. Bei Blumenliebhabern verschönern sie dann Balkon oder Terrasse und trösten so über die kalte Jahreszeit hinweg. Da die vorgetriebenen Pflanzen etwas empfindlicher sind, sollten sie vor starken Frösten geschützt werden. Im April können sie dann in den Garten  gepflanzt werden und sind im Folgejahr winterhart. Selbst für die Floristik stehen spezielle langstielige Sorten zur Verfügung, die sich gut in einem winterlichen Strauß machen.  

Buntes Schattenspiel mit Lenzrosen
Etwas später, zwischen Februar und April bringen die Verwandten der Christrose – die Lenzrosen, bot. Helleborus x hybridus (früher H.-orientale-Hybriden) Farbe in schattige Gartenbereiche. Sie erfreuen mit ihren Blüten, die in zahlreichen Variationen von creme, gelb, grünlich über rosa, rötlich bis fast schwarz, einfarbig, gesprenkelt oder gestreift, einfach oder gefüllt blühend vorkommen. Da Lenzrosen sich gegenseitig bestäuben, können im eigenen Garten durch Selbstaussaat neue Zufallssämlinge entstehen. Man sollte dann die Samenstände, nicht wie üblich, Ende Mai abschneiden.

Lenzrosen in zahlreichen Blütenvariationen.

Schneerosen – die Neuzugänge im Sortiment
Farbige Schneerosen blühen bereits ab Anfang Januar und schließen die Blütenlücke zwischen den weißen Christrosen und den farbigen Lenzrosen. So wurde Helleborus niger mit verschiedenen, z.T. nicht winterharten Helleborus-Arten (H. argutifolius, H. lividus) gekreuzt und unter dem Sammelbegriff Schneerosen herausgebracht. Dazu zählen beispielsweise H. x ericsmithii, H. x glandorfii, H. x nigercors. Diese Sorten bereichern das Sortiment mit schön gezeichneten Blüten, farbigen Stielen und attraktivem Laub. Zudem gelang es, die wenig ergiebige Teilung der Stauden durch eine Vermehrung im Labor zu ersetzen, sodass dem Gartenmarkt die neuen Sorten schnell in größeren Stückzahlen zur Verfügung stehen.

Tief dunkelrote Blüten und ein auffällig marmoriertes Laub zeigt die Sorte Anna’s Red (Rodney Davey Marbled Group).

Standort und Pflanzpartner
Die tiefwurzelnden Helleborus bevorzugen einen halbschattigen Standort in der Nähe von Gehölzen und einen nährstoff­reichen, wasserdurchl­ässigen, kalk­haltigen Boden. Dort sollten sie möglichst ungestört bleiben, um über viele Jahre zu großen Horsten heranwachsen zu können. Sie lassen sich gut mit anderen Stauden aus dem Gehölzbereich kombinieren. Dazu zählen beispielsweise Farne, Schattengräser, Leberblümchen (Hepatica) und kleinblumigen Frühlingsblühern wie Schneeglöckchen (Galanthus), Buschwindröschen (Anemone blanda) und Blausternchen (Scilla). In der Hauptwachstumszeit von Oktober bis März ist eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit wichtig, Staunässe muss jedoch unbedingt vermieden werden. Im Sommer ist der Standort im Gehölzbereich hingegen etwas trockener. In heißen Sommern sind eventuell zusätzliche Wassergaben notwendig. Laubeinschüttungen im Herbst versorgen die Pflanzen in der Natur mit ausreichend Nährstoffen und führen zu einer humosen Bodenschicht. Bei den Schneerosen, bei denen wärmeliebende Arten eingekreuzt wurden, sind auch eine höhere Sonneneinstrahlung und ein trockenerer Standort im Sommer möglich.

Laubrückschnitt und Pflege
Im Umgang mit der Pflanze sollten immer Handschuhe getragen werden, da sie in allen Teilen stark giftig ist. So kann der Pflanzensaft zu starken Hautreizungen führen. Für Helleborus kann keine allgemein gültige Empfehlung zum Laubrückschnitt gegeben werden. Bei Lenzrosen (H. hybridus) kann kurz vor der Blüte, Ende Januar / Anfang Februar, entschieden werden, ob das alte Laub unansehnlich geworden oder gar von Pilzkrankheiten befallen ist. Dann sollte es entfernt werden, um den Blütenreigen optisch nicht zu mindern und um das neu aus­treibende Laub vor einer Pilzinfektion zu schützen. Zu feuchte Standorte, schlechtes Abtrocknen durch zu dichten Stand und saure Böden begünstigen die Schwarzfleckenkrankheit (Coniothyrium hellebori), die die Blätter mit runden, schwarzen Flecken zeichnet. Ansonsten sollte bedacht werden, dass gesunde,  wintergrüne Helleborusblätter immer noch Photosynthese betreiben können und einen Schutz für das Pflanzenherz darstellen. Ein Rückschnitt sollte deshalb so spät im Winter erfolgen wie möglich. Sofern keine Aussaat erwünscht ist und die Bestände sortenrein erhalten werden möchten, müssen die verblühten Blüten vor der Samenreife abgeschnitten werden. Dies fördert zudem eine stärkere Blüte im Folgejahr. Die Gabe eines organischen Staudendüngers erfolgt im Februar / März zur Zeit der Blattbildung und im Juli / August zur Zeit der Wurzelbildung. Helleborus benötigen Kalk, der beispielsweise in Form von Muschelkalk verabreicht werden kann.

Schlagwörter: Helleborus, Winterblüher, Nieswurz, Christrose, Lenzrose, Schneerose 

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