Insektenmagnet Blumenwiese

| Autor: Andrea | Kategorie: Frühling  Sommer  Herbst  Winter 

Das Thema Insektensterben ist mittlerweile in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Die Nachfrage nach insektenfreundlichen Pflanzen, so auch in Form einer Blumenwiese, nimmt deshalb stetig zu. Im Fachhandel gibt es inzwischen eine große Auswahl an Saatgutmischungen. Doch welche ist die richtige Mischung für mich?

Definition Blumenwiese
Der Begriff „Wiese“ ist bei vielen Mischungen etwas irreführend. Er bezeichnet genau genommen nur dauerhafte, mehrjährige Wiesen, welche nur durch die regelmäßige Mahd erhalten bleiben, denn ohne Mähen würden sie sich tatsächlich in kurzer Zeit durch Anflug von Samen zum Wald entwickeln. „Echte“ Wiesen bestehen überwiegend aus Gräsern, je magerer aber der Standort ist, desto höher und vielfältiger ist der Anteil an heimischen Wildblumen.

Einjähriger Roter Klatschmohn (Papaver rhoeas) und blauer Wegerichblättriger Natternkopf (Echium plantagineum) gedeihen auf mageren Böden und erfreuen zahlreiche Insekten.

Einjährige Ansaaten aus Sommerblumen
Unter dem Begriff „Blumenwiese“ und ähnlichen Begriffen werden allerdings derzeit auch viele Mischungen aus einjährigen Sommerblumen angeboten. Beispiele hierfür sind die „Veitshöchheimer Sommerblumenwiesen“ oder der „Mössinger Sommer“.  Sie beginnen oft schon nach 6 bis 8 Wochen nach der Aussaat mit der Blüte und blühen bis in den Herbst, vor allem auf gut versorgten, nährstoffreichen Standorten. Sie werden nicht gemäht, sterben nach dem Frost ab und müssen im folgenden Jahr von neuem ausgesät werden, einschließlich der jährlich nötigen Bodenvorbereitung im Frühjahr. Diese Mischungen enthalten vor allem viele nichtheimische Zierarten wie Kosmeen, Sonnenblumen oder Mädchenaugen, da mit heimischen Arten diese langanhaltende Blütenpracht und Farbenvielfalt nicht möglich ist.

Von vielen dieser Blumen profitieren durchaus Blütenbesucher wie die Honigbiene und einige Schmetterlinge, vor allem im Hochsommer, wenn in der freien Landschaft eine blütenarme Zeit ist. Allerdings nützen die nichtheimischen Blumenarten vor allem Blütenbesuchern, die sowieso recht flexibel bei ihren Nahrungsquellen sind. Die wiederholte Ansaat von Sommerblumen hat einen weiteren Haken: Leider reichern sich schnellwüchsige Unkräuter in den Sommerblumen-Flächen nach dem ersten Jahr oft so stark an, dass ab dem zweiten oder dritten Jahr die Flächen nicht mehr so schön werden wie zu Beginn. Deshalb lohnen sich die Sommerblumenmischungen vor allem als attraktive Übergangslösung, wenn z.B. Gärten neu angelegt werden oder Gemüsebeete einmal ruhen sollen.

In der einjährige Blumenansaat mit blauem Natternkopf (Echium plantagineum) und blauer Dreifarbiger Winde (Convolvulus tricolor) setzen Roter Lein (Linum grandiflorum ‘Rubrum‘) und rosa Kosmeen (Cosmos bipinnatus) farbige Akzente.

Mehrjährige Ansaaten, die „echte“ Blumenwiese
Gerade bei den rund 500 Wildbienenarten gibt es aber viele, die zwingend auf bestimmte heimische Blumen wie z.B. dem Pollen von Glocken­blumen (Campanula) oder Wollziest (Stachys) angewiesen sind. Für diese Nahrungs­spezialisten ist daher nur die Aussaat heimischer Arten sinnvoll. Die Ansaat einer dauerhaften und artenreichen „echten“ Wiese mit höherem ökologischem Wert bietet allerdings im ersten Jahr, verglichen mit den Sommerblumen­mischungen, weniger spektakuläre Bilder. Dafür muss eine „echte“ Wiese nicht jährlich neu eingesät werden. Ab dem zweiten Jahr reichen zwei Schnitte im Juni und September, um die Wiese zu erhalten und sogar immer schöner werden zu lassen. Wenn langfristig eine „echte“ und artenreiche Wiese entstehen soll, so können nährstoffreiche Flächen durch den Anbau von Sommerblumen auch erst einmal abgemagert werden. Danach kann dann die passende Ansaat aus heimischen Wiesenarten ausgesät werden.

Neben „Universalmischungen“ gibt es für besondere Standorte  auch spezielle Mischungen wie z.B. die „Feuchtwiesenmischung“ (erhältlich im Fachhandel, z.B. von Syringa). Auch hier ist vor jeder Aussaat jeweils wieder die übliche Bodenvorbereitung nötig. Ein interessanter Kompromiss sind Mischungen, die sowohl einjährige als auch mehrjährige, heimische und nichtheimische Arten enthalten, wie z.B. die Mischungen „Staudenzauber“ (erhältlich im Fachhandel, z.B. von Küpper). Sie sollen die Vorteile der kurzlebigen und mehrjährigen Arten kombinieren. Allerdings sind sie aber noch nicht so erprobt wie viele andere.

Zu bedenken ist  auch: weder Sommerblumenansaaten, noch „echte“ Wiesen sollten regelmäßig betreten werden.

Mischung aus Blumenwiese und Rasen
Alternativ kann auf häufiger genutzten Flächen ein „Blumenrasen“ (erhältlich im Fachhandel, z.B. von Syringa oder Rieger-Hofmann) angesät werden. Er enthält Gräser und Blumen, die dauerhaft eine regelmäßige Mahd ca. 4 bis 8 Mal im Jahr ertragen und dabei auch zur Blüte kommen. Diese Variante kann öfter betreten werden, ist mit vorhandenen Mähern pflegbar und bietet doch einige Nahrung für Insekten und einen gewissen Blütenreichtum.  

Wie funktioniert die Anlage einer ein- oder mehrjährigen Blumenwiese?

  1. Die wichtigste Voraussetzung für das gute Gelingen und die spätere Blütenpracht ist die Bodenvorbereitung. Eine Direktsaat in einen bestehenden Rasen hinein ist nicht möglich! Vielmehr muss ein Saatbeet aus feinkrümeliger Erde vorhanden sein. Dazu sollte jegliches mehrjähriges Unkraut entfernt werden. Auf nährstoffreichen Böden gedeihen einjährige Sommerblumen besser, auf nährstoffarmen oder mit Sand abgemagerten Böden können auch mehrjährige Mischungen ausgebracht werden.
  2. Der ideale Zeitpunkt für die Aussaat ist im Frühjahr ab Mitte April, wenn noch genügend Niederschläge für die Keimung und kein Frost mehr zu erwarten sind. In Trockenphasen muss in den ersten Wochen unbedingt zusätzlich bewässert werden, damit die zarten Keimlinge nicht vertrocknen. Mehrjährige Ansaaten können auch im August / September ausgesät werden.
  3. Säen Sie nicht zu dicht! In der Regel wird nur 1-2g Saatgut pro Quadratmeter ausgebracht. Um das feine Saatgut besser und gleichmäßiger verteilen zu können, ist es hilfreich, es zuvor mit einem Trägerstoff (10-20g/m2) wie z.B. Sand oder Vermiculite (Schichtsilikat, das zu den Tonmineralien zählt) zu mischen. Das Saatgut kann in zwei Arbeitsgängen, einmal kreuz und einmal quer, ausgebracht werden. Da es sich bei den Pflanzen um Lichtkeimer handelt, sollte das Saatgut nicht mit Erde bedeckt, sondern nur mit einer Walze oder Brettern angedrückt werden. Dies sorgt bei den Samen für einen guten Bodenschluss und eine gute Keimung.
  4. Einjährige Ansaaten blühen bis zum Herbst und werden vor dem Winter abgemäht. Im Folgejahr ist eine erneute Ansaat nötig, möglichst auf einer anderen Fläche, um die Anreicherung von unerwünschten Beikräutern zu verhindern.
  5. Mehrjährige Blumenwiesen werden ab dem 2. Jahr in der Regel zweimal im Jahr, einmal Mitte Juni und das zweite Mal im September, gemäht. Für die Wiesenmahd ist nicht jeder Rasenmäher geeignet, am besten wäre eine Sense oder ein sogenannter Wiesen­mäher. Idealerweise sollte das Schnittgut, nachdem es erst angetrocknet ist und Samen herausfallen konnten, eingesammelt.

 

Tipp vom Mainau Gärtner:
Wer keinen Garten hat, findet im Fachhandel spezielle Saatgutmischungen / Saatgutscheiben für Balkonkästen und Töpfe. Sie lassen auch auf kleinsten Raum Wildblumen gedeihen, die Insekten und Schmetterlinge anziehen.

Weiterführende Infos und Saatgut unter:

https://www.rieger-hofmann.de/home.html

https://www.syringa-pflanzen.de/

https://www.kuepper-bulbs.de/

http://www.lwg.bayern.de

 

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