Camouflage-Künstler Lithops - Lebende Steine für die Fensterbank

| Autor: Verena | Kategorie: Frühling  Sommer  Herbst  Winter 

Schon Johann Wolfgang von Goethe, den wir hier ab und an zitieren, sagte einst: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen“. Nun handelt es sich bei den Steinen, über die wir heute berichten möchten, nicht zwangsläufig um Stolperfallen des Lebens, sondern um eine attraktive Möglichkeit, die eigene Fensterbank zu verschönern. Lediglich die Pflege dieser extravaganten Pflanze könnte sich als eine Herausforderung des Alltags entpuppen.

Lithops in Blüte
Der Körper der Lithops hat sich an die Umgebung angepasst. Häufig erst, wenn sie beginnen zu blühen, lassen sich die lebenden Steine von den „echten“ Steinen optisch unterscheiden.

Lithops - Sukkulente des südlichen Afrikas
Aus dem südlichen Afrika haben wir Ihnen in der Vergangenheit schon einige Pflanzen vorgestellt, doch die als Lebende Steine (Lithops) im Handel bekannten Sukkulenten sind etwas Besonderes. An ihrem Naturstandort in Namibia und Südafrika haben sich die Lithops durch eine unterirdische Lebensweise angepasst, denn diese Regionen der Erde zeichnen sich durch nur sehr wenige bis gar keine Niederschläge aus. Sie wachsen dort u.a. auf Quarzkies, steinigen Bergrücken, sandigen Hügeln, zersetztem Granit, Schiefer oder Kalkstein. Da sie zu den sogenannten Mittagsblumengewächsen (Aizoaceae) gehören, zeigen sie ihre gelben oder weißen Blüten nur um die Mittagszeit. Vor Ort entdeckt wurden die Lithops übrigens erst 1811 von einem englischen Botaniker.

Lithops karasmontana spp. bella am Naturstandort
Perfekt getarnt: An ihrem natürlichen Standort in Namibia und Südafrika haben es die Lithops (hier: Lithops karasmontana spp. bella) geschafft, sich an ihre Umgebung anzupassen. Bildnachweis: Susan Mahr, University of Wisconsin-Madison

Der oberirdische sichtbare Teil der Lithops ist im Aussehen kaum von echten Steinen zu unterscheiden. Die griechische Übersetzung des Begriffes Lithops verdeutlicht dies, denn er setzt sich zusammen aus „Lithos“ für Stein und „Opsis“ für Aussehen. Das Wort Lithops wird sowohl im Singular als auch im Plural verwendet, es ist gebräuchlich als wissenschaftliche Bezeichnung sowie als Trivialname.

Obwohl der Großteil des Lithops-Körpers unterirdisch lebt, kann dieser dennoch Photosynthese betreiben. Zwischen den beiden sukkulenten Blättern (sogenannte Loben), die in Form eines umgedrehten Kegels miteinander verwachsen sind, befindet sich ein Spalt, durch den die Lithops Licht aufnehmen.

Lithops-Oberfläche
Durch diesen kleinen Spalt und den sogenannten Fenstern sind lebende Steine in der Lage, Sonnenlicht zu assimilieren. Seitlich sind die verwelkten Blätter des alten Lithops zu erkennen.

Aller guten Dinge sind 3
Der Vegetationszyklus eines lebenden Steines lässt sich in drei Phasen einteilen: Nachdem der Lithops geblüht hat, geht er über in eine Ruhephase, in der sich mindestens ein neuer Körper entwickelt. Die Pflanze beginnt dann, die alten Blätter abzustoßen, während sich die neuen entwickeln. Schließlich schiebt sich der neue Körper aus dem Spalt zwischen den alten Blättern heraus. Der Spalt der neuen Blätter bildet sich in einem Winkel von etwa 90 Grad zum alten Spalt. Die alten Blätter verwelken zu einer trockenen Hülle an der Seite des neuen Körpers. Viele Pflanzen teilen sich zu diesem Zeitpunkt auch, um mehr als ein Blattpaar zu produzieren, so dass aus einem einzelnen Körper allmählich eine kleine Kolonie werden kann.

Bei uns in der nördlichen Hemisphäre verschiebt sich dieser Lebenszyklus um ein halbes Jahr: Zwischen September und November können Lithops blühen. Nach der Blühphase beginnt von Dezember bis April die Ruhephase. In dieser Zeit benötigen Lithops kein Wasser. Ab Mai erwachen die lebenden Steine aus ihrem „Winterschlaf“. In der sogenannten Wachstumsphase, trocknen die alten Blätter ein, platzen auf und neue Loben bilden sich.

Beginnende Wachstumsphase beim Lithops, der Spalt bricht auf. Es bildet sich ein neuer Körper
In der Wachstumsphase bricht der Spalt auf und ein neuer Körper mit zwei Loben entsteht. Der neue Spalt bildet sich ca. 90 Grad entgegengesetzt zum alten Spalt.

Lithops als Zimmerpflanze
Lithops sind sehr klein, nehmen wenig Platz ein und sind sehr langlebig. Sie können bis zu 40 oder 50 Jahre alt werden. Es ist durchaus möglich, eine Pflanze 10 oder 20 Jahre lang im gleichen Topf zu halten. Für Mensch und Tier sind sie nicht giftig.

Standort
Lithops bevorzugen einen hellen, möglichst warmen Standort am Fenster. Sie sind nicht winterhart und sollten deshalb nicht kühler als 10 Grad Celsius stehen. Im Sommer, wenn es sehr heiß wird, sollte direkte Mittagssonne gemieden werden, denn diese kann zu Verbrennungen führen. Im Winter sollte Wärmestau vermieden werden. Werden die lebenden Steine zu trocken gehalten, kann es vorkommen, dass diese von Wollläusen befallen werden.

Lithops haben ein ausgedehntes Wurzelsystem. Ihre Wurzeln münden direkt an der Basis der Blätter zusammen. Deshalb ist eine Topftiefe von mind. 10 Zentimeter empfehlenswert, um den Wurzeln ausreichend Platz zum Wachsen zu geben. Platzieren Sie die Spitze des Lithops knapp über der Bodenoberfläche, anstatt sie tief in den Boden zu setzen, wie es in der Natur vorkommt.

Gießen – ja oder nein?
Der deutsche Trivialname der lebenden Steine mag etwas irreführend sein, doch freuen sich Lithops nicht nur über Licht, wie schon eben bei der Standortfrage bemerkt wurde, sondern auch ab und an über eine kleine Wassergabe. Wie andere Sukkulenten auch, mögen sie keine Staunässe. Deshalb benötigen sie ein Substrat mit guter Drainage. Normale Blumenerde ist ungeeignet. Verwenden Sie lieber ein Gemisch aus Sand, Erde und kleine Steinchen.

Lithops sollten den ganzen Winter und das Frühjahr über völlig trocken stehen. In der Ruhephase müssen Lithops also nicht gegossen werden. Und auch in der Wachstumsphase kann das Gießen auf ein Minimum reduziert werden. Die Bewässerung kann wieder aufgenommen werden, sobald die Reste des alten Körpers vollständig verschrumpelt sind. Wenn zu früh gegossen wird, werden die alten "Blätter" versuchen, weiter zu wachsen und die neue Pflanze wird sich nicht richtig entwickeln können. Gießen Sie einmal richtig und warten dann ab, bis das Substrat komplett getrocknet ist. Diese Form der Wassergabe entspricht im weitesten Sinne den Niederschlagsbedingungen am Naturstandort. Wichtig ist, dass beim Gießen kein Wasser in den Spalt eindringt, da der Lithops sonst zu faulen beginnt.

Weiß- und gelbblühende Lithops
Wunderschöne Winzlinge: Lithops werden nur wenige Zentimeter groß, sie blühen in Weiß oder Gelb und sind als Zimmerpflanze echte Hingucker. Bildnachweis: shutterstock.com/Eva Pieroni

Lithops ist nicht gleich Lithops
Auf den ersten Blick mögen einem Laien die lebenden Steine ziemlich eintönig erscheinen, jedoch umfasst die Gattung um die 40 Arten. Alle sehen einander ziemlich ähnlich und unterscheiden sich hauptsächlich in Form, Zeichnung, Farbe und Textur des Körpers. Die Muster auf der Oberseite sind variantenreich. Es können Punkte, Linien oder Flecken sein. Die Maserung hängt davon ab, welche Umgebung imitiert wird.

Verschiedene Lithops-Arten
Verschiedene Arten von Lithops, Bildnachweis: Susan Mahr, University of Wisconsin-Madison

Lithops pseudotruncatella – wird nicht größer als 5 Zentimeter, hat eine grau bis grüne Färbung und die Oberseite weist eine verzweigte Marmorierung auf, blüht gelb.

Lithops lesliei – Diese Art blüht gelb, verströmt ein Honigaroma und gilt in der Lithops-Gemeinde als perfekte Anfängerpflanze, da sie Gießfehler am ehesten verzeiht.

Lithops salicola – weißblühend mit blaugrauer Oberfläche.

Lithops bromfieldii – Diese Art weist ein umfangreiches Farbspektrum auf und kann je nach Naturstandort unterschiedlich gefärbt sein. Im Allgemeinen weist der Körper eine rötlichbraune Färbung auf.

Lithops optica 'Rubra' – Fällt auf durch eine pinke Färbung des Körpers und blüht weiß.

Lithops karasmontana 'Mickbergensis' – Diese Sorte ist ein Hingucker aufgrund ihrer orange-grauen Färbung.

Aus eins mach zwei
Lithops vermehren sich auf zwei Weisen: sie können sich durch Teilung vermehren oder säen sich selbst aus. Zieht man die lebenden Steine oder Samen an, dauert es mehrere Jahre bis diese dann zur Blüte kommen. Im Sommer sollte der Samen auf sandigem Untergrund gelegt und dann mit einer dünnen Sandschicht bedeckt werden. Der Anzuchtbehälter sollte warm und sonnig stehen und leicht feucht gehalten werden. Nach ein paar Wochen beginnen die ersten Samen zu keimen. Nachzügler-Samen können auch mal ein ganzes Jahr benötigen, um zur Keimung zu kommen. Sobald sich der gekeimte Samen weiterentwickelt, muss die Bewässerung verringert werden. Nach zwei bis drei Monaten sollten die Wassergaben reduziert werden, so dass sich die Keimlinge an immer längeren Trockenphasen gewöhnen können. Nach einem Jahr kann der junge Lithops dann umgepflanzt werden.

Weitere Informationen:
Artikel von Susan Mahr über Lithops: Vielen Dank an Prof. Mahr für die Nutzung der Lithops-Abbildungen.
http://www.lithops.info/de/

Schlagwörter: Lithops, Zimmerpflanzen, Sukkulenten

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