Ginkgo - Der Dinosaurier unter den Bäumen

| Autor: Katharina | Kategorie: Frühling  Sommer  Herbst  Winter 

„Dieses Baumes Blatt, der von Osten

Meinem Garten anvertraut,

Gibt geheimen Sinn zu kosten,

Wie's den Wissenden erbaut.


Ist es ein lebendig Wesen,

Das sich in sich selbst getrennt?

Sind es zwei, die sich erlesen,

Dass man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern

Fand ich wohl den rechten Sinn.

Fühlst du nicht an meinen Liedern,

Dass ich eins und doppelt bin?“

Fasziniert vom Erscheinungsbild des Ginkgobaums und seiner Blätter verfasste Johann Wolfgang von Goethe 1815 dieses Gedicht. Erfahren auch Sie Interessantes zu diesem besonderen Gehölz in unserem Blogbeitrag über Ginkgo biloba – den Ginkgobaum.

Die Herbstfärbung des Ginkgo an der Schlosskirche

Lebendes Fossil
Bereits vor 250 Millionen Jahren – und damit noch vor den Dinosauriern – gab es Ginkgos. Zur Zeit des Perm, als das Urmeer große Teile Deutschlands bedeckte, bestand die Gattung Ginkgo aus über 250 Arten, von denen nur noch Ginkgo biloba übrig geblieben ist. Laubbäume entwickelten sich übrigens erst über 100 Millionen Jahre, nachdem der Ginkgo bereits etabliert war.

Weltweit gefundene Fossilien mit Ginkgo-Blättern belegen die Existenz seit Jahrmillionen noch vor der Spaltung der Kontinente. Bildnachweis: shutterstock.com/Breck P Kent

Aufgrund dessen lässt sich Ginkgo auch weder als Konifere (Zapfenträger) noch als Laubgehölz kategorisieren,  sondern bildet die eigene Gruppe der Ginkgoopsida. Sein zweilappiges Laub – daher auch der Artname biloba - erinnert optisch an einen „gewöhnlichen Laubbaum“, verwandt ist der Ginkgo jedoch mit den Nadelgehölzen. Das Laub (auch Nadeln werden als Laub bezeichnet) besitzt keine Mittelrippe, die charakteristisch für die Belaubung von Laubbäumen ist, sondern ist parallel- und gabelnervig.

Besonders im Gegenlicht lassen sich die Blattnerven gut erkennen, die parallel verlaufen und sich dann gabeln. Im Gegensatz zu Laubbäumen besitzen die Blätter des Ginkgo keine Mittelrippe.

Wo wächst der Ginkgo?
Sein natürliches Vorkommen hat der Ginkgo heutzutage in China. Er wächst in Laub- und Nadelmischwäldern auf tiefgründigem, nährstoffreichem Boden. Im Alter bildet der Ginkgo stattliche Exemplare, die bis zu 35 m hoch und 20 m breit werden können. Durch seine Standorttoleranz und Unempfindlichkeit gegenüber Frost, Luftverschmutzung, Krankheiten und Pilzen wird er weltweit als Park- und Alleebaum eingesetzt. Auch in Deutschland findet man ihn immer häufiger als Straßenbaum, da er nicht astbruchgefährdet ist und den erschwerten Bedingungen als Straßenbaum (Hitze, Trockenheit, Abgase, Verdichtung und chemische Stoffeinträge) trotzt. Das älteste Exemplar der Insel Mainau neben der Schlosskirche St. Marien misst fast 30m und wurde 1872 gepflanzt.

Männchen oder Weibchen?
Ginkgos sind zweihäusig, das heißt, es gibt männliche und weibliche Exemplare. Definitiv unterscheiden lässt sich das Geschlecht erst anhand der Blüte, die ab einem Alter von etwa 30 Jahren auftritt. Männliche Ginkgos blühen in Kätzchen im April/ Mai und Weibliche in langgestielten Einzelblüten. Die weiblichen Exemplare bilden nach der Befruchtung mirabellenähnliche Steinfrüchte, die jedoch einen unangenehmen Geruch nach Buttersäure verströmen. Die Früchte sind trotz des unangenehmen Geruchs essbar, dieser verschwindet beim Kochen. In Asien gelten die Früchte und die gerösteten Kerne als Delikatesse. Außerdem werden die Wirkstoffe des Ginkgos medizinisch eingesetzt, beispielsweise gegen Vergesslichkeit und Schwindel. Eine außergewöhnliche Beobachtung wurde an einigen sehr alten Exemplaren gemacht. Diese haben nach jahrelanger männlicher Blüte weibliche Blüten und Früchte angesetzt, also ihr Geschlecht geändert. Was der Auslöser dieses Phänomens ist, ist bislang nicht bekannt.

Mirabellenähnliche Früchte entwickeln sich an den weiblichen Exemplaren des Ginkgo. Sie verströmen einen buttersäureartigen Geruch

Goldgelbe Herbstfärber
Wenn im Herbst die Tage wieder kürzer werden, färbt sich das Laub des Ginkgos leuchtend gelb, bevor der Baum sein Laub abwirft. Schon von Weitem erkennt man den urzeitlichen Baum mit seinem spezifischen Habitus und dem leuchtenden Gelb. Bald beginnt auch die Zeit, in der sich die Ginkgobäume der Mainau goldgelb färben. Kommen Sie doch mal vorbei und lassen Sie sich vom warmen Farbton inspirieren.

Goldgelb leuchten die Blätter des Ginkgo vor der barocken Schlosskirche St. Marien

Ginkgo biloba für den Hausgarten
Aufgrund seiner Wuchshöhe ist Ginkgo biloba nicht für die Verwendung in kleinen Gärten geeignet. Allerdings gibt es verschiedene Sorten, unter ihnen auch kleinwüchsige, sodass der Ginkgo auch im kleinen Garten seinen Platz finden kann.

  • 'Troll': Diese Sorte wächst dichtbuschig und gedrungen und erreicht eine Höhe von etwa 80 cm.
  • 'Mariken': Diese Sorte wächst fast kugelig und erreicht eine Höhe von etwa 150 cm.
  • 'Tremonia': Diese Säulenform wächst schmal aufrecht, erreicht Höhen bis 12 m und wird etwa 80 cm breit.

Diese und weitere Sorten sind in Baumschulen erhältlich.

Schlagwörter: Ginkgo, Baum, Fossil, Parkbaum, Itchou, Fächerblattbaum, Fächertanne, Mädchenhaarbaum

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