Die Seerose – Königin der Wasserpflanzen

| Autor: Andrea | Kategorie: Frühling  Sommer  Herbst 

Die Blüten der Seerosen animierten bereits vor über hundert Jahren Monet zu seinen Seerosen-Gemälden und schmücken auch heute noch viele Garten- oder Miniteiche, in denen sie wachsen. Die Sortenvielfalt bei den Seerosen ist erst in den letzten Jahrzehnten durch die wieder aufgenommene Züchtung und die Kreuzung von winterharten mit tropischen Arten stark gewachsen. Was die Königin der Wasserpflanzen für Ansprüche hat, um uns mit ihren Blüten zu bezaubern, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Botanik
Die Familie der Seerosengewächse (Nymphaeaceae) besteht aus zwei Unterfamilien: den Nupharoidaea (Gattung Nuphar) und den Nymphaeoiadae (Gattungen Baclaya, Euryale, Nymphaea und Victoria) mit insgesamt ca. 50-75 Seerosenarten und inzwischen etwa 1000 Sorten. Sie alle wachsen im Süßwasser und werden in der Praxis zusätzlich in winterharte und tropische Sorten unterteilt. Bei den tropischen Seerosen unterscheidet man zudem zwischen tag- und nachtblühenden Sorten. Winterharte Seerosen bilden ein Rhizom aus, das je nach Art unterschiedlich aussehen kann. Tropische Seerosen hingegen bilden Knollen aus. Neben den auf der Wasseroberfläche sichtbaren Schwimmblättern werden auch Unterwasserblätter ausgebildet, die der Seerose in der Winterzeit zur Notversorgung dienen. Seerosen zählen zu den sogenannten Schwimmblattpflanzen. Die schalenförmigen Blüten mit 6 bis 50 Blütenblättern können einfach, halbgefüllt oder gefüllt sein und zeigen sich je nach Sorte von Juni bis September auf der Wasseroberfläche oder einige Zentimeter darüber auf kräftigen Stielen. Die einzelne Blüte öffnet sich für 3 bis 6 Tage, meist von 10 Uhr morgens bis in den Nachmittag hinein und kann je nach Sorte zwischen 2,5 cm bis 25 cm groß sein. Tropische Seerosen mit ihren langen, kräftigen Stielen werden in der Floristik auch als Schnittblumen verwendet.

Die aus Thailand stammende Sorte 'Prakaisub' erfreut Seerosen-Fans mit ihrem kompakten Wuchs und einer Blüte in Flamingorosa.

Züchtung
Den Grundstein für die Seerosenzüchtung legte Joseph Bory Latour-Marliac in seiner Gärtnerei in Frankreich Ende des 19. Jahrhunderts. Bis dahin gab es in Europa nur eine weißblühende, winterharte Seerose (Nymphaea alba) und in Schweden eine rote Form davon (N. alba var. rubra). Bereits 1889 konnte er auf der Weltausstellung in Paris elf eigene verschiedenfarbige, winterharte Seerosensorten präsentieren, indem er amerikanische und andere winterharte Wildarten der Seerose mit der europäischen Art gekreuzt hatte. Auch Monet traf im Zuge der Weltausstellung auf Latour-Marliacs Seerosen und war begeistert. Er kaufte von ihm in den Folgejahren mehrere Exemplare für den Wassergarten in Giverny und verewigte sie in seinen impressionistischen Gemälden. Latour-Marliacs Vorgehensweise bei der Kreuzung ist bis heute unbekannt. Er brachte nur sterile Sorten, die ausschließlich durch Teilung zu vermehren waren, in den Verkauf. Die fertilen (fortpflanzungsfähigen) Sorten, mit denen er die Züchtung betrieb, behielt er in seiner Gärtnerei unter Verschluss. Im Laufe seines Lebens hat er 110 winterharte Seerosensorten in Weiß, Gelb, Rosa und Dunkelrot gezüchtet, allerdings war keine blaublühende Sorte darunter. Diese Farbe tritt nur bei tropischen Seerosen auf. Nach seinem Tod im Jahr 1911 gingen die fertilen Zuchtsorten über die Jahre verloren.

In den 1980er Jahren widmeten sich zwei Amerikaner, Kirk Strawn und Perry D. Slocum, von neuem der Züchtung von Seerosen und brachten ganz unerwartet ebenfalls fertile Sorten hervor. Eine blaublühende Sorte war jedoch immer noch nicht dabei, da man bis Ende des 20. Jahrhunderts davon ausging, dass tropische und winterharte Arten der Seerosen nicht miteinander gekreuzt werden konnten, da sie verschiedenen Untergattungen (siehe oben) angehörten. Solch eine intersubgenerische Züchtung (ISG), also eine Kreuzung zweier (tropischer) Untergattungen, gelang jedoch William Phillips mit der gleichnamigen Sorte 2002, die durch eine DNA-Analyse bestätigt werden konnte. 2007 meldete der Gartenbauingenieur Pairat Songpanich aus Thailand die Sorte ‘Siam Blue Hardy‘ an, eine intersubgenere Kreuzung aus einer winterharten Seerose (Subgenus Nymphaea) und einer tropischen (Subgenus Brachyceras). Die violett blühende Sorte war allerdings steril und nicht teilbar und ist durch ein Hochwasser verloren gegangen.

Mittlerweile kommen laufend neue Sorten aus Asien, Europa und den USA hinzu. Das Farbspektrum bei den winterharten Sorten reicht von Weiß über Rosa, Violett, Rot, fast Schwarz und von Schwefelgelb über Chromgelb bis hin zu Orange, Pfirsichfarben und einem dunklen Kupferton. Es bleibt abzuwarten, ob es bald eine blaublühende, winterharte Seerose geben wird.

Bei tropischen Seerosen finden sich auch Blüten in Blautönen, die es bei winterharten Sorten bisher leider noch nicht gibt.

Standorte
Natürlicherweise kommen Seerosen in ruhigen Gewässern im Süßwasser vor. Wichtig ist ein Standort, der täglich mindestens sechs bis acht Stunden in der Sonne liegt. Im Handel werden Seerosen für unterschiedliche Wassertiefen und mit unterschiedlichem Ausbreitungsdrang angeboten. Die Angabe bezieht sich dabei immer auf den Abstand zwischen dem Austrieb der Pflanze und der darüberliegenden Wasseroberfläche. Wird die Seerose in einem Kübel im Teich kultiviert, bezieht sich die Pflanztiefe auf den Abstand zwischen Kübeloberfläche und Wasseroberfläche. Werden große Seerosen, die eine gewisse Wassertiefe benötigen, nicht tief genug gepflanzt, so wachsen die Blätter über die Wasseroberfläche hinaus und blühen kaum. Neben den großen Seerosen für große Teiche gibt es auch mittelgroße Seerosen und kleine Seerosen bis hin zu Zwergseerosen für die Kultur in Mini-Teichen, die nur eine Pflanztiefe von 10-20 cm benötigen. Entsprechend ist der Platzbedarf von einem halben bis zu zwei Quadratmetern je nach Sorte zu berücksichtigen. Als Faustregel gilt: Es sollten nur etwa 50 % der Wasseroberfläche des Teiches mit Wasserpflanzen bedeckt sein. Wichtig ist zudem, dass die Seerose nicht neben einem Wasserspiel / einer Fontäne platziert wird, da sie keine starke Wasserbewegung und keine Dauerberegnung wünscht.

Die Sorte 'Black Princess' blüht dunkelrot und ist winterhart. Ihr Farbton ist abhängig von der Temperatur.

Pflanzung
Seerosen werden entweder direkt in den Teich oder in den Miniteich gepflanzt, auf längere Sicht ist es jedoch praktikabler, die Pflanzung in einen Gitterkorb, eine Maurerwanne oder einem Kübel vorzunehmen. Dann können die Pflanzen für die Teilung bzw. Pflege auch wieder leichter aus dem Wasser entnommen werden. Das Pflanzgefäß sollte entsprechend der Wüchsigkeit der Seerose gewählt werden. Als Substrat empfiehlt sich spezielles Seerosensubstrat, das keine organischen, sondern nur mineralische Bestandteile enthält. So wird verhindert, dass zu viele Nährstoffe in das Wasser gelangen und es zu einer starken Algenbildung kommt. Falls ein Gitterkorb verwendet wird, sollte dieser vor dem Befüllen mit Zeitungspapier oder Jute ausgekleidet werden, um die Ausschwemmung von Erde zu verhindern. Dann wird das Gefäß mit Substrat befüllt und das Rhizom der Seerose horizontal in eine kleine Vertiefung gesetzt. Dabei sollte das Ende des Rhizoms am Topfrand liegen und die Vegetationsspitze Richtung Topfmitte und leicht schräg nach oben zeigen. So wird sichergestellt, dass die Seerose die nächsten Jahre genügend Platz zum Wachsen hat. Das Rhizom wird mit Erde bedeckt, der Blattansatz sollte frei bleiben. Je nach Seerosengröße werden 3-5 Düngekegel mit Langzeitwirkung pro Saison daumentief in das Substrat rund um die Seerose gesteckt, um den hohen Nährstoffbedarf zu decken und um die Nährstoffe direkt an die Seerosenwurzeln zu bringen. Abschließend wird das Substrat mit einer Kiesschicht abgedeckt, damit das Substrat nicht weggespült wird bzw. eventuell vorhandene Fische im Teich nicht in der Erde wühlen können.

Pflege
Die Seerose sollte jedes Jahr im Frühjahr mit einem Langzeitdünger versorgt werden, ideal sind Düngekegel, die direkt in das Substrat gesteckt werden. Bei ausgepflanzten Seerosen erübrigt sich meist die Düngung. Sollte die Pflanze zu groß geworden sein und aus dem Pflanzkorb wachsen, kann sie im Frühjahr herausgenommen und geteilt werden. Seerosen können durch spezielle Schädlinge wie Seerosenblattkäfer, Seerosenzünsler oder Seerosenblattläuse geschädigt werden. Krankheiten wie Blattfleckenkrankheit, Knollen- und Stengelfäule treten vor allem bei ungünstigen Kulturbedingungen auf.

Im Herbst werden welke und abgestorbene Pflanzenteile aus dem Teich entfernt. Winterharte Seerosen können bei einer Wassertiefe von mehr als 60 cm den Winter über im Teich verbleiben. Seerosen in Mini-Teichen würden zu stark durchfrieren und sollten besser in einem Eimer mit Wasser frostfrei und kühl überwintert werden.

Weiterführende Links und Bezugsquellen:

http://www.seerosenforum.de/

https://www.nymphaion.de/seerosen/

http://www.seerosenwelt.de/

https://www.lotusland.de/

Schlagwörter: Seerosen, Wasserpflanzen, Gartenteich, Teichpflanzen, Miniteich, Wassergarten

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