Lilien - Bezaubernde Schönheiten für den Garten und die Vase

| Autor: Andrea | Kategorie: Frühling  Sommer  Herbst 

Lilien zählen zu den ältesten Gartenpflanzen und werden schon seit mehr als 3000 Jahren kultiviert. Sie werden sowohl als Zierpflanze als auch als Nahrungs- und Medizinpflanze, beispielsweise in China, geschätzt. Es gibt etwa 100 Arten, die in den gemäßigten und subtropischen Zonen auf der Nordhalbkugel vorkommen.

Bildnachweis: Stefan Strasser

Lilien-Vielfalt
Nicht verwechselt werden sollte die Lilie, die botanisch als Lilium bezeichnet wird, mit Schwertlilien (Iris), Taglilien (Hemerocallis) oder Jakobslilien (Sprekelia). In Deutschland ist beispielsweise die Türkenbund-Lilie (L. martagon) und im Mittelmeerraum die Madonnen-Lilie (L. candidum) beheimatet. Aus Japan stammen die Pracht-Lilie (L. speciosum) und die Goldband-Lilie (L. auratum). Aus China stammen Trompeten-Lilien wie L. longiflorum und Königs-Lilie (L. regale). Durch rege züchterische Tätigkeit, insbesondere seit Mitte des 20. Jahrhunderts, entstanden Kreuzungen (Hybriden) und zahlreiche Sorten. Zur besseren Übersicht werden die Lilien in neun Sektionen eingeteilt. Sie unterscheiden sich in Herkunft, Höhe, Blütenform und -farbe, Blattanordung und Standortansprüchen. Unterirdisch ist bei allen eine Zwiebel zu finden, die aus einzelnen, dachziegelartig angeordneten Schuppen aufgebaut ist. Einige Arten, wie z.B. die Feuer-Lilie, bilden zudem Brutzwiebeln in den oberirdischen Blattachseln. Die trichter-, trompeten-, turban-, glocken- oder schalenförmigen Blüten erscheinen je nach Art von April bis September. Das Farbspektrum reicht von Rot, Orange, Gelb über Creme und Weiß bis hin zu Pastelltönen und kräftigem Pink. Viele Lilien verströmen einen intensiven Duft und sind als Schnittblumen sehr beliebt.

Die Madonnen-Lilie (Lilium candidum)
Sie ist mit den Römern über die Alpen gekommen und war später häufig in den Bauerngärten anzutreffen. Sie galt ab dem Mittelalter als Symbol für Unschuld und Reinheit der Jungfrau Maria. Im Garten kann sie sich auf durchlässigen, lehmhaltigen Boden, trotz optimalem Standort – den Fuß beschattet, den Kopf in der Sonne – divenhaft verhalten und nicht gedeihen. Sie bildet auch in der Art der Pflanzung eine Ausnahme: Im Gegensatz zu den meisten Lilien, die im Herbst oder im zeitigen Frühjahr gesetzt werden, sollten die Zwiebeln der Madonnen-Lilie Ende August flach gepflanzt und nur 3 cm mit Erde bedeckt werden. L. candidum bildet nach der Pflanzung Wurzeln und vor dem Winter eine immergrüne Blattrosette aus. Im Hochsommer erscheinen die weißen, intensiv duftenden Trompetenblüten.

Die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammende Madonnen-Lilie (L. candidum) zählt zu den klassischen Blumen im Bauerngarten. Bildnachweis: Stefan Strasser

Türkenbund-Lilie (L. martagon)
Vor allem in Wäldern und auf Almwiesen der Alpen ist der Türkenbund (Lilium martagon) beheimatet. Die im Hochsommer erscheinenden, hängenden Blüten an 100 bis 150 cm hohen Stielen zeigen stark zurückgebogene Blütenblätter, die an einen Turban erinnern. Das Farbspektrum reicht von purpurviolett über braunrot bis weiß. Die Türkenbund-Lilie bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen Standort auf kalkhaltigem Boden und wird ebenfalls im Herbst gepflanzt.

Bei Lilium 'Claude Shride' handelt es sich um eine attraktive, dunkelrote Variante der Türkenbund-Lilie. Bildnachweis: Nina Busse

Moderne Vielfalt durch Lilien-Hybriden
Für den Garten und die Kübelkultur sind heute die zahlreichen Hybriden interessant. Wichtige Gruppen sind hier die Asiatischen und die Orientalischen Hybriden, die Königs-Lilie (L. regale) und deren Hybriden und die Longiflorum- Hybriden.

Die Asiatische Lilie 'Forever Susan' bringt ihre kontrastreichen Blüten im Sommer hervor und wird etwa 80 bis 100 cm hoch. Bildnachweis: Stefan Strasser
Die Königs-Lilie (L. regale) zieht auch im Staudengarten der Insel Mainau im Sommer mit einer Höhe von über einem Meter alle Blicke auf sich.

Aus Kreuzungen der Gruppen untereinander entstanden intersektionelle Hybriden wie LA-Hybriden (Kreuzung von Longiflorum x Asiatischen Sorten), OT-Hybriden (Kreuzung von Orientalischen x Trompeten-Lilien, auch Orienpet Lilien genannt) und OA-Hybriden (Kreuzung von Orientalischen x Asiatischen Sorten).

Die Orienpet- bzw. OT-Hybride 'Friso' bezaubert durch duftende weinrote Blüten, die eine weißen Rand aufweisen und mit einer Höhe von bis zu 250 cm beeindruckt. Bildnachweis: Stefan Strasser

Pflanzung und Standort der Lilien
Die Zwiebeln sollten gleich nach dem Erhalt gepflanzt werden, da sie keine schützende Zwiebelhaut besitzen. Dafür sollte das Loch bei der Pflanzung dreimal so tief ausgehoben werden, wie die Zwiebel hoch ist. Lilien wünschen einen gut durchlässigen, frischen und nährstoffreichen, humosen Boden. Während viele Hybriden mit einem neutralen bis leicht sauren pH-Wert zurechtkommen, bevorzugen Orientalische Hybriden einen kalkfreien, sauren Standort. Die Züchtung brachte deshalb kalktolerantere Orienpet-Hybriden hervor. Wer keinen Garten oder nicht den idealen Standort hat, kann niedrigere Lilien auch sehr gut in Gefäßen kultivieren. Wichtig sind ein mindestens 30-40 cm hohes Gefäß, eine gute Drainage und ausreichend Wasser und Nährstoffe in den Sommermonaten. Im Winter empfiehlt sich ein regengeschützter Standort.

Niedrigwachsende Lilien gedeihen auch in Gefäßen auf dem Balkon, wie hier die Sorte 'Sweet Lord'. Bildnachweis: Stefan Strasser

Beliebt leider auch bei Schnecken und Co.
Gefährlich werden können den Blütenstars Schnecken und das Lilienhähnchen. Letzteres ist ein 6-8 mm großer, roter Käfer, der ab April Fraßlöcher an den Blättern hinterlässt. Der Schaden wird durch die ebenfalls gefräßigen Larven, die durch eine Kotschicht geschützt sind, verstärkt. Hier hilft nur regelmäßiges Beobachten und Absammeln der Käfer und Larven.

Das rote Lilienhähnchen ist ein 6-8 mm großer Käfer der auf Lilien und Kaiserkronen zu finden ist. Der Käfer und seine Larven können einen enormen Schaden durch ihre Fraßtätigkeit anrichten.

Ansonsten steht dem Lilienreigen, der sich durch geschickte Sortenwahl von Ende Mai bis in den September hinziehen kann, nichts mehr im Wege.

Weitere Informationen unter:
https://www.liliengesellschaft.org/

Beispiele für Bezugsquellen:

Vielen Dank an Stefan Strasser von der Lilien-Arche in Erlangen für die Erlaubnis zur Nutzung der Lilien-Bilder.

Schlagwörter: Lilien, Liliengewächse, Zwiebelblumen, Schädlinge, Zierpflanze, Kulturpflanze

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