Sukkulenten: Faszinierende Alleskönner und lebende Kunstwerke mit Wow-Effekt

| Autor: Elena | Kategorie: Frühling  Sommer  Herbst  Winter 

Die traditionelle Herbstausstellung im Palmenhaus markiert den Abschluss des Blumenjahres auf der Insel Mainau, das 2020 dem Lebenselixier Wasser gewidmet ist. Somit liegt es auch nahe, mit den Sukkulenten eine Pflanzengruppe in den Fokus zu rücken, die eine ganz spezielle Beziehung zum nassen Element besitzt. Unter dem Titel „Elefantenfuß und Schwanenhals“ dreht sich noch bis zum 1. November 2020 alles um sukkulente Pflanzen und ihre besonderen Eigenschaften sowie vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Erfahren Sie mehr über die Naturkunstwerke mit der teils kurios anmutenden Optik und lassen Sie sich inspirieren: Wir zeigen Ihnen, wie facettenreich und dekorativ sukkulente Pflanzen sind.

Die Herbstausstellung 2020 mit dem Titel „Elefantenfuß und Schwanenhals“ widmet sich der enormen Vielfalt sukkulenter Pflanzen.

Ausgezeichnete und artenreiche Überlebenskünstler
Sukkulenten kommen ursprünglich in tropischen und subtropischen Gebieten vor und haben sich an ihren natürlichen Lebensraum angepasst, um zu überleben: Dank eines speziellen Saftspeichergewebes, worauf sich auch ihr vom lateinischen Begriff „succulentus“ (= „saftreich“) hergeleiteter Name bezieht, können die Pflanzen mühelos längere Trockenzeiten überdauern. Hierfür wird, je nach Art, an verschiedenen Stellen der Pflanze Flüssigkeit gespeichert, weswegen zwischen Stammsukkulenten wie etwa Kakteen (Cactaceae), Blattsukkulenten wie etwa der Echten Aloe (Aloe vera) und Wurzelsukkulenten wie etwa einige Sauerkleegewächse (Oxalis) unterschieden wird. Sukkulenten zeichnen sich auch durch einen großen und vielfältigen Artenreichtum aus: Insgesamt gibt es rund 10.000 Arten sukkulenter Pflanzen, die über 50 botanischen Familien zugeordnet werden können. Das bedeutet wiederum, dass etwa 5 Prozent aller Pflanzenarten weltweit sukkulent sind.

Am bekanntesten unter den Sukkulenten-Familien sind zweifelsfrei die Kakteen (Cactaceae). Typisch für diese ursprünglich aus Amerika stammenden Sukkulenten sind die zu Dornenbündeln oder -polstern (sogenannten „Aerolen“) zusammengefassten Dornen, mit denen die Oberfläche vergrößert und kondensierender Nebel als Wasser aufgenommen wird. Zu den Sukkulenten zählt auch die Familie der Agavengewächse (Agavoideae), vorwiegend aus Mexiko und den Südstaaten der USA stammende Rosettenpflanzen, deren faserig-sukkulente Blätter häufig bedornt sind und deren Blütenstände aus dem Rosettenzentrum erscheinen. Im Gegensatz dazu haben die Blätter von Aloegewächsen (Aloaceae), deren Blütenstände neben dem Rosettenzentrum erscheinen und deshalb beständig wachsen, keinen stechenden Enddorn. Aloen sind ausschließlich in Afrika, Arabien und Madagaskar beheimatet, ihre bekanntesten Vertreter sind die Gattungen Aloe und Haworthia. Sie teilen ihr Verbreitungsgebiet auch mit den Wolfsmilchgewächsen (Euphorbiaceae), die nur zum Teil sukkulent sind und typischerweise einen weißen, klebrigen und stark ätzend-giftigen Milchsaft vorweisen. Bedornte Euphorbien ähneln teilweise Kakteen, sind aufgrund der häufig paarweise auftretenden Dornen jedoch leicht von ihnen zu unterscheiden. Ebenfalls zu den Sukkulenten gehören die Mittagsblumengewächse (Aizoaceae), die vorwiegend aus Südafrika stammen und zu denen beispielsweise die Gattung der Lebenden Steine (Lithops) gehört. Dickblattgewächse (Crassulaceae), wie zum Beispiel Hauswurz (Sempervivum), Fetthenne (Sedum) und Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre), sind hingegen weltweit verbreitet und somit die einzige Familie mit bei uns auch einheimischen Sukkulenten.

Kakteengewächse sind die bekanntesten Sukkulenten, sie machen aber nur einen geringen Teil aller sukkulenten Pflanzen aus. Das macht auch deutlich, dass nicht alle Sukkulenten automatisch Kakteen sind, auch wenn sämtliche Kakteen Sukkulenten sind.

Beliebte Grünpflanzen im Heim und Garten
Betrachtet man die natürlichen Verbreitungsgebiete von Sukkulenten, wird schnell deutlich: Die Pflanzengruppe kommt zwar mit vielen extremen Standortbegebenheiten, wie zum Beispiel enormer Trockenheit oder feuchtwarmem Tropenklima, zurecht – Frost und hohe Feuchtigkeit zählen jedoch nicht dazu. Das lässt den Trugschluss zu, Sukkulenten seien nicht für die Pflanzung in unseren Gärten geeignet. Doch beachtet man einige Punkte und setzt man auf die passenden Arten, kann man sich auch im heimischen Garten an Sukkulenten erfreuen – und das teilweise sogar noch über den Winter hinaus. Hierfür kommen mobile oder feste Pflanzgefäße genauso in Frage wie Beetflächen oder gar Extremstandorte wie Gebäudedächer und Dachterrassen, solange der Platz sonnig und hell ist. Für eine ausreichende Wasserzufuhr sollten für die Pflanzung grundsätzlich durchlässige, mineralische Substrate, wie zum Beispiel eine wärmespeichernde Mulchschicht oder Steine als Gestaltungselemente, ausgewählt werden. Schenkt man diesen Aspekten Beachtung, kommen Freilandsukkulenten mit erstaunlich wenig Pflege aus. Dennoch sollte man auch hier regelmäßiges Gießen und ausgewogenes Düngen nicht vernachlässigen, denn auch für Sukkulenten ist die Wasser- und Nährstoffzufuhr lebensnotwendig. Gut geeignet für die hiesige Auspflanzung sind einige Blattsukkulenten- sowie Kakteenarten, darunter zum Beispiel folgende:

  • Kanaren-Hauswurz (Aeonium)
  • Agaven (Agave)
  • Aloen (Aloe)
  • Kalandrinen (Calandrinia)
  • Walddickblatt (Chiastophyllum)
  • Dickblatt (Crassula)
  • Mittagsblume (Delosperma)
  • Mittagsblume (Dorotheanthus)
  • Dudleya
  • Echeverie (Echeveria)
  • Igelsäulenkaktus (Echinocereus)
  • Escobaria
  • Fransenhauswurz (Jovibarba)
  • Bitterwurz (Lewisia)
  • Opuntien (Opuntia)
  • Sternwurz (Orostachys)
  • Portulak (Portulaca)
  • Rosenwurz (Rhodiola)
  • Dickröschen (Rosularia)
  • Fetthenne (Sedum)
  • Hauswurz (Sempervivum)
  • Palmlilie (Yucca)
Nur die Harten kommen in den Garten: Beachtet man einige Punkte und setzt man auf die passenden Arten, kann man sich auch im heimischen Garten an Sukkulenten erfreuen.

Aber vor allem auch als Zimmerpflanzen erfreuen sich Sukkulenten mittlerweile immer größerer Beliebtheit, denn sie sind nicht nur pflegeleicht, sondern machen mit ihrer großen Farben- und Formenvielfalt als lebende Kunstwerke auch optisch etwas her – und das auch schon als Einzelpflanzen, aber ganz besonders in Gruppen kreativ arrangiert. Obendrein sind den Gestaltungsmöglichkeiten hier praktisch keine Grenzen gesetzt, denn mit Sukkulenten lässt sich, da sie kaum Erde benötigen und mit wenig Wasser auskommen, beinahe alles bepflanzen, solange dort keine Staunässe entsteht. So eignen sich als Pflanzgefäße zum einen eher klassische Behältnisse wie zum Beispiel Schalen, Töpfe, Dosen, Gläser oder Tassen, aber auch ungewöhnlichere Behältnisse wie beispielsweise Schuhe, Kochtöpfe, Körbe oder – wer es besonders ausgefallen mag – Taschen oder gar Badewannen und Waschbecken.

 

Trendige Allrounder mit überraschenden Eigenschaften
So unerschöpflich die Dekorationsmöglichkeiten mit Sukkulenten sind, so vielfältig und vor allem auch bemerkenswert sind die Verwendungsmöglichkeiten von sukkulenten Pflanzen. Vor allem im Kosmetik- und Gesundheitsbereich wird schon seit ewigen Zeiten auf die heilenden und pflegenden Eigenschaften von Sukkulenten gesetzt. So gilt gerade die Echte Aloe (Aloe vera) als eine absolute Allzweckwaffe bei der Hautpflege, denn aus ihrem Inneren lässt sich eine geleeartige Masse gewinnen, die feuchtigkeitsspendend, antiseptisch und kühlend wirkt. Einen feuchtigkeitsspendenden Effekt besitzt auch das Innere des Feigenkaktus (Opuntia ficus-indica), dessen Inhaltsstoffe die natürliche Hautbarriere stärken und bei Hautirritationen beruhigend wirken. Zudem wird aus den weiblichen Tieren der Cochenille-Schildlaus, die als Schmarotzer auf Opuntien lebt, Karminsäure gewonnen. Diese dient als Grundlage für den roten Farbstoff Karmin, der zum Beispiel bei der Herstellung von Lippenstiften, Textilien oder Malfarben zum Einsatz kommt. Erste Hilfe bei Insektenstichen, Ausschlägen oder kleineren Wunden leisten Bulbinen (Bulbine frutescens), die aus Südafrika stammen und wundheilende Eigenschaften besitzen. Auch Agaven (Agave americana) werden aufgrund ihres entzündungshemmenden und wundheilungsfördernden Effekts in der Heilkunde vielseitig eingesetzt, beispielsweise bei Verdauungs- oder Diabetes-Beschwerden, Osteoporose und Herz-Kreislauferkrankungen.

Neben der Verwendung im Schönheits- und Gesundheitsbereich finden viele sukkulente Pflanzen jedoch auch Einsatz in der Küche – denn trotz ihrer teilweise seltsam anmutenden Optik lässt sich ein großer Teil dieser Pflanzen zu köstlichen Getränken und Speisen weiterverarbeiten. So findet man in der Kulinarik auch die süß-sauren Früchte des Feigenkaktus (Opuntia ficus-indica) wieder, doch ist wegen der feinen Stacheln an der Schale der Kaktusfeigen Vorsicht geboten: Auch wenn diese bei den im Handel angebotenen Früchte normalerweise bereits entfernt worden sind, verwenden Sie bei der Verarbeitung lieber Handschuhe. Dann können Sie die Kaktusfeige entweder halbieren und das Fruchtfleisch wie bei Kiwis auslöffeln oder Sie stechen mit einer Gabel in die Frucht und schälen sie mit einem Messer ab.

Auch die geleeartige Masse der Echten Aloe (Aloe vera) ist essbar und reich an Vitamin E, Zink und Magnesium. Ein weiterer Superfood-Kandidat ist die Frucht des afrikanischen Affenbrotbaums (Adansonia digitata): Die Baobab hat ein hohes Eisen- und Vitamin C-Gehalt und schmeckt säuerlich-fruchtig. Als gesunde Alternative zu Zucker ist Agavendicksaft, der von der Amerikanischen Agave (Agave americana) stammt, im kulinarischen Bereich aktuell so gefragt wie noch nie. Deutlich bekannter dürfte hierzulande allerdings immer noch ein anderes flüssiges Endprodukt sein, das auf die gleiche Sukkulenten-Familie zurückzuführen ist: Hätten Sie gewusst, dass aus der Blauen Weber-Agave (Agave tequilana) Tequila gebrannt wird? Dieses Beispiel unterstreicht noch einmal eindrücklich, wie unglaublich facettenreich Sukkulenten sind.  

Tipp vom Mainau-Gärtner:
In unserer Herbstausstellung haben wir Sukkulenten zwar kunstvoll inszeniert, dennoch sind sukkulente Pflanzen keine Dekorationsobjekte. Wenn Sie weniger übliche Alltagsgegenstände mit Sukkulenten bepflanzen und möglichst lange Freude an Ihren Pflanzen haben wollen, sollten Sie deshalb darauf achten, dass es ein Abzugsloch für überschüssiges Wasser gibt, damit es nicht zu Staunässe kommt.

Schlagwörter: Herbstausstellung, Kaktus, Sukkulenten, Grünpflanzen, Zimmerpflanzen

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