Mohnblumen - Vom Ackerunkraut zur berauschenden Zierde im Bauern- und Staudengarten

| Autor: Verena | Kategorie: Frühling  Sommer 

Eines vorweg, für die Vase ist Mohn ungeeignet, aber im Gartenbeet oder sich leise im Sommerwind einer Wiese wiegend, wohnen Mohnblumen mit ihren farbenfrohen Blüten eine Leichtigkeit, Leucht- und Symbolkraft inne, die wahrlich süchtig machen kann. Die Gattung Papaver wartet mit mehr als 120 Arten auf, die ein-, zwei- oder mehrjährig sein können.

Inbegriff des Sommers: Eine Wiese mit tausenden von roten Mohnblumen

Über eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt

Der sogenannte Schlafmohn (Papaver somniferum) wurde bereits in der Jungsteinzeit in Mitteleuropa angebaut und ausschließlich zu Nahrungszwecken genutzt. Aus ihm wurden Mohngebäck und andere Mohngerichte hergestellt. Bereits die alten Griechen und Römer nutzten den Saft, den sie aus den Mohnkapseln gewonnen hatten, für medizinische Zwecke ein. Somniferum ist Lateinisch und bedeutet übersetzt „Schlaf bringend“. Für ihre schlaffördernde Wirkung ist die einjährigen Sommerblume ebenfalls bekannt und wurde u.a. in der Antike eingesetzt um kleine Kinder zu beruhigen.


Schlaf-Mohn (Papaver somniferum)
Seinetwegen wurden Kriege geführt - denn der eingetrocknete Milchsaft des Schlafmohns enthält Opium, das wiederum zur Herstellung von Rauschgiften verwendet wurde. Seit 1981 ist der Anbau von Schlafmohn in Deutschland nach dem Betäubungsmittelgesetz verboten. Schlaf-Mohn ist einjährig und erreicht Wuchshöhen zwischen 30 und 150 Zentimetern. Er blüht von Juni bis August in Blasslila.

Seit Jahrtausenden als Heilpflanze geschätzt: Der Schlafmohn (Papaver somniferum) blüht violett. Sein Anbau ist in Deutschland genehmigungspflichtig.

Orientalischer Mohn (Papaver orientale)
Der ausdauernde, auch als Türkenmohn bezeichnete, Papaver orientale stammt aus Kleinasien. Er trägt ansehnlich große Blüten und galt im 18. Jahrhundert als Zierde der sogenannten Lustgärten. Die Wahl der Begleitpflanzen sollte mit Bedacht erfolgen, denn die Blüten der Begleitpflanzen sollten denen des Mohns nicht die Schau stehlen, wenn diese von Mai bis Juni blühen. Ebenfalls sollten Sie berücksichtigen, dass der Mohn nach seiner Blüte einzieht und so leere Stellen im Beet zurückbleiben. Gut geeignet sind deshalb Katzenminze oder Sonnenhut, Iris oder Rittersporn sowie Astern. Der Standort sollte vollsonnig und der Boden leicht durchlässig sein.

Im Fachhandel ist eine große Auswahl an Sorten erhältlich:

  • 'Black and White' - Die Blüten sind weiß und haben schwarze Flecken
  • 'Lauffeuer' - Niedrig wachsende Sorte mit hellroten Blüten
  • 'Marlene' - Blüht Burgunderrot
  • 'Show Girl' - Anfangs blüht diese Sorte in einem warmen Rosa und verblasst dann mit der Zeit.
  • 'Polka' - Weiße Blüte mit orangerotem Rand

Seit einigen Jahren wir der Türkenmohn auch in unseren Breiten vom Falschen Mehltau (Peronospora arborescens) befallen. Dabei handelt es sich um Pilzerkrankung, die bewirkt, dass sich die Oberseite der Blätter gelb verfärben und die Blattunterseite mit einem grauen Pilzrasen bedeckt ist

Farbenfrohe Sommerstaude: Auch in Weiß macht der Orientalische Mohn (Papaver orientale) eine gute Figur im Staudenbeet.

Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas)
Er kündigt den Frühsommer an und galt lange Zeit als Getreideunkraut. Papaver rhoeas gilt als besonders anspruchslos, wird bis zu 90 Zentimeter hoch und blüht von Mai bis Juni. Die roten Blüten des Klatsch-Mohns, die sich nur in den frühen Morgenstunden öffnen, sind eine beliebte und wichtige Nahrungsquelle für Insekten, denn eine Mohnblüte produzierte bis zu 2,5 Millionen Pollenkörner. Im englischsprachigen Raum ist der Klatschmohn auch Gedenkblume für die in beiden Welkriegen gefallenen Soldaten. Der sogenannte Rembrandt Day wird jedes Jahr am 11. November begangen. Im Fachhandel als Seidenmohn angeboten, erobert Papaver rhoeas die Herzen begeisterter Mohnfans. Der Clou: Seit 2019 gibt es ihn auch in Grau! Die Sorte 'Amazing Grey' blüht in hellem Grau bis Schieferblau und ihre halbgefüllten Blüten, die gerüscht sind, haben einen schmalen weißen Rand und roten Blütengrund.

Mohn-Neuheit: Die Sorte 'Amazing Grey' brilliert in Nuancen aus Grau. Bildnachweis: Fleuroselect

Island-Mohn (Papaver nudicaule)
Island-Mohn oder Papaver nudicaule gilt als recht anspruchslos. Er gedeiht sowohl in Kies- und Steingärten und im Staudenbeet als bunter Lückenfüller. Sein Standort sollte sonnig, mit durchlässigem Boden sein. Beliebt ist das Mohngewächs vor allem wegen seiner Farbenvielfalt, denn es gibt ihn in strahlendem Weiß, leuchtendem Orange, in Sonnengelb oder auch in Lachsrosa. Bei uns auf der Insel Mainau ist Island-Mohn Teil der Frühlingsbepflanzung in der Brunnenarena, im Dahliengarten sowie in den ornamentalen Beetflächen der Wiesen im Ufergarten. U.a. verwenden wir die Sorten 'Gartenzwerg' (niedrigwachsende Mischung in Weiß, Gelb und Rot) oder auch den Pulchinella-Sortenmix in Gelb, Weiß, Rosa und Rot.

Die Brunnenarena auf der Insel Mainau war in diesem Frühjahr mit hunderten Islandmohnen bepflanzt.

Marienkäfer-Mohn (Papaver commutatum)
Sein deutscher Name trifft es wahrhaftig auf den Punkt. Denn die roten Blüten von Papaver commutatum sind mit schwarzen Flecken getupft. Die Wildart wächst ca. 30 bis 50 Zentimeter hoch. Die einjährige Pflanze ist leicht an einem sonnigen bis halbschattigen Standort in offenem Boden zu kultivieren.

Rot mit schwarzen Punkten: Papaver commutatum erinnert optisch an einen Marienkäfer. Bildnachweis: shutterstock.com/guentermanaus

Achtung: Mohn ist nicht gleich Mohn
Der goldgelbe Kalifornische Mohn (Eschscholzia californica) und auch der himmelblaue Scheinmohn (Meconopsis) werden zwar im Deutschen als Mohn bezeichnet, zur Gattung Papaver gehören sie jedoch nicht. Und auch die Anemonen haben nichts mit Mohn zu tun ;-)

Schlagwörter: Mohn, Mohnblumen, Papaver

Schön himmelblau blüht der Scheinmohn (Meconopsis)

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