Vogelfütterung im Winter

| Autor: Andrea | Kategorie: Herbst  Winter 

Einige Vögel wie der Hausrotschwanz, die Schwalbe und der Star haben unsere Gärten verlassen und sind in ihre Winterquartiere nach Süden gezogen. Zurückgebliebene Gartenvögel wie Amseln, Meisen, Spatzen und Rotkehlchen sind auf Nahrung aus der freien Natur und aus naturnahen Gärten angewiesen. Bei Minustemperaturen oder geschlossener Schneedecke ist die Nahrungssuche jedoch erschwert. An Futterstationen angebotenes Vogelfutter kann die gefiederten Freunde bei der Nahrungssuche in unseren Gärten unterstützen.

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Futtereinrichtungen und was es sonst noch zu beachten gibt
Mit der Fütterung der Vögel im Winter kommt man in den Genuss, heimische Wildtiere zu beobachten. Zusätzlich wird mit dem bereit gestelltem Futter der erhöhte Energiebedarf der Vögel gedeckt, der für den Erhalt der Körper­temperatur bei Frost und Schnee notwendig ist. Neben Futter freuen sich die Vögel aber auch über eine Schale Wasser als Trink- und Badequelle. Wichtig ist es, bei dem bereitgestellten Angebot auf Hygiene zu achten.

Vogelfutter wird am besten in einem Futtersilo angeboten, um Verunreinigungen durch Vogelkot zu verhindern.

Deshalb sind Futtersäulen oder -silos, bei denen die Vögel das Futter nicht verunreinigen können, Futterhäuschen vorzuziehen. Durch Kot im Futter können sich Krankheitserreger sehr schnell ausbreiten. Manche Vogelarten wie Amsel, Drossel, Rotkehlchen, Zaunkönig und Heckenbraunelle suchen ihre Nahrung am Boden und bevorzugen deshalb Futtertische bzw. Bodenfutterspender.

Das Rotkehlchen sucht sich sein Futter in Bodennähe und kommt deshalb gerne an einen Futtertisch. Bildnachweis: shutterstock.com/Kletr

Hier nur so viel Futter in eine Schale legen, wie an einem Tag verzehrt wird. Bürsten Sie die Schale täglich aus und reinigen Sie sie einmal wöchentlich mit kochend heißem Wasser. Trocknen Sie die Schale gut ab und befüllen Sie diese dann erneut. Das Futter sollte generell durch eine Überdachung vor Regen und Schnee geschützt sein, um Schimmelbildung zu vermeiden. Das Wasser in der Trinkschale muss täglich gewechselt und während Frostphasen eisfrei gehalten werden. Die Futtereinrichtung ist an einer übersichtlichen Stelle im Garten zu platzieren, von wo aus Feinde, wie z.B. Katzen, für Vögel rechtzeitig zu erkennen sind. Allerdings sollten Bäume oder Sträucher nicht zu weit entfernt sein, damit sich die Vögel bei Gefahr dorthin schnell zurückziehen können. Zudem muss der Standort mindestens zwei Meter weit weg von einer Fensterscheibe sein, um (tödliche) Verletzungen beim Anflug zu verhindern. Sinnvoll ist es, statt einer großen Futterstelle mehrere kleine, unterschiedlich befüllte Futterstellen anzubieten, um unterschiedliche Vögel beobachten zu können und um eine Ausbreitung von Krankheitserregern zu verringern.

Dieses Vogelfutter besteht aus Körnern und Trockenobst.

Qual der Wahl beim Vogelfutter
Beim Vogelfutter unterscheidet man zwischen Körnern / Sämereien, Fettfutter und Weichfutter. Vögel, die Weichfutter konsumieren, haben in der Regel kleine Schnäbel und sind oft Insektenfresser. So ist der Zaunkönig mit seinem kleinen Schnabel ein Insektenfresser, der Kernbeißer mit seinem kräftigen Schnabel ein Konsument von Nüssen und Samen. In der Natur finden Vögel wie z.B. Finken im Herbst zahlreiche Samen von unterschiedlichen Pflanzen. Für die Körnerfütterung werden im Handel Sonnenblumenkerne, Erdnüsse, Distelsamen/ Nyjersamen, Hirse und Getreide angeboten. Fett ist ein wichtiger Energielieferant für Vögel im Winter. Im Handel wird Fettfutter häufig kombiniert mit Sämereien oder anderen Futterbestandteilen in Kuchen-, Block- oder Ringform und als Meisenknödel angeboten. Basis hierfür ist meist Rindertalg, teilweise versetzt mit pflanzlichen Ölen.

Die Blaumeise freut sich über Fettfutter im Winter, um ihren erhöhten Energiebedarf zu decken.

Weichfutter, wie es Amseln und Rotkehlchen lieben, enthält neben Hafer-flocken und Trockenfrüchten auch zerkleinerte Sonnenblumenkerne und Erdnüsse und wird teilweise mit Fettfutter kombiniert angeboten. Hochpreisige Weichfutter¬mischungen werden mit getrockneten Insekten wie Wasserflöhen oder Mehlwürmern versetzt.

Der Distelfink, auch Stieglitz genannt, frisst im Winter gerne die Samen der Karde (Dipsacus fullonum). Bildnachweis: shutterstock.com/Nigel Dowsett

Viele Vögel sind in ihrem Futterkonsum über das Jahr hinweg flexibel, so werden geschrotete Erdnüsse und geschälte Sonnenblumenkerne von den meisten Gartenvögeln verzerrt. Aufgrund der geringen Insektenzahl weichen viele Insektenfresser im Winter auf Weichfutter aus.

Das Amsel-Weibchen freut sich im Winter auch über einen frischen Apfel.

Zu Beginn der Vogelfütterung sollte man mit dem Futterangebot etwas experimentieren und beobachten, welche Vogelarten die Futterstellen im Garten aufsuchen und dann das entsprechende Futter anbieten. Im Handel gibt es mittlerweile eine große Auswahl an Fertigmischungen und -produkten zu kaufen, es steht aber auch ein Angebot sortenreiner Körner und Zutaten zur Verfügung, um Mischungen und Fettfutter selbst herzustellen. Höhere Qualität hat dabei meist auch einen höheren Preis. Günstigere Fertigmischungen enthalten häufig weniger hochwertige Ausgangsstoffe oder Füllstoffe, wie z.B. Weizenkörner, die Gartenvögeln nicht fressen. Oder das günstigere Futter wird unter teilweise schlechteren Bedingungen für Mensch oder Umwelt produziert. Das Futter sollte hinsichtlich Schimmel und Pilzgiften untersucht worden sein und eine Verunreinigung durch die für den Menschen stark allergieauslösende Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisifolia) ausgeschlossen werden. Auch Futter mit dem Aufdruck „Ambrosia controlled“ ist nicht zwangsläufig 100 % frei von den gefährlichen Samen. Deshalb sollte Futter direkt bei Spezialanbietern bezogen oder selbst hergestellt werden. Meisenknödel sollten nach Möglichkeit ohne Netze in einem Metallspender angeboten werden, damit sich die Vögel mit ihren Füßchen nicht darin verheddern und die Umwelt nicht durch davongewehte Netze verschmutzt wird. Völlig ungeeignet für die Vogelfütterung sind getrocknetes oder schimmliges Brot, Kartoffeln oder andere, insbesondere gesalzene, Speisereste.

Noch zu guter Letzt der wichtige Hinweis: Vogelfütterung kann nicht die Zerstörung der natürlichen Lebensräume der Vögel in der Natur und im Garten ersetzen! Vielmehr sollten viele Bäume, Hecken, Sträucher und Stauden zum Unterschlupf und Brüten für Vögel zur Verfügung stehen und natürliche Lebensräume und die Vielfalt erhalten bleiben. Für die Ernährung und die Aufzucht der Jungvögel sind im Sommer viele Insekten nötig. Diese sind nur vorhanden, wenn wir im Garten auf chemischen Pflanzenschutz verzichten und der Garten auch nicht komplett aufgeräumt und durchgestylt ist.

Weitere Informationen:

Vogelfutter Bezugsquellen:
https://www.lbv-shop.de/
https://www.vivara.de/vogelfutter.html

Vogelfutter selbst herstellen:
https://www.lbv.de/ratgeber/lebensraum-garten/voegel-fuettern/rezepte-fuer-vogelfutter/

Video:
https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/mission-gruen/17989.html

Schlagwörter: Vogelfutter, Winter, Distelfink, Kohlmeise, Rotkehlchen

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